Forschungsintegrität

Moderation cards on good scientific practice

Wissenschaftliche Integrität ist die Kunst, gut und verantwortungsvoll zu forschen, auf der Grundlage gemeinsamer wissenschaftlicher Werte. Wer in die Wissenschaft geht, bringt in der Regel die innere Motivation mit, diesem Anspruch gerecht zu werden. Leitlinien und Regelwerke zur guten wissenschaftlichen Praxis geben dafür die Richtung vor, und entsprechende Schulungen sind oft verpflichtend. Sich mit wissenschaftlicher Integrität zu befassen sollte allerdings nicht heißen, eine Liste abstrakter Regeln auswendig zu lernen. Gute wissenschaftliche Praxis ist umstrittenes Terrain, mit einigem Konsens und vielen Grauzonen, persönlichen Dilemmata, widersprüchlichen Anreizen und zwischenmenschlichen Konflikten. Die Grundprinzipien wissenschaftlicher Integrität zu verstehen, ebenso das Wissenschaftssystem, in dem wir uns bewegen, und die Kontroversen, die daraus entstehen, ist entscheidend, um daraus Strategien für die eigene Arbeitsweise abzuleiten.

Open Science
Einer meiner Schwerpunkte ist Open Science. Open Science ist ein Anspruch und zugleich ein Werkzeugkasten, um den wissenschaftlichen Wert der Transparenz zu stärken und Reproduzierbarkeit zu unterstützen, also die Wiederholbarkeit von Analysen oder ganze Studien, die in vielen Fächern ein Marker für Qualität und Verlässlichkeit ist. Open Science will außerdem öffentlich finanzierte Forschung kooperativer und zugänglicher machen. Um Open Science gibt es viele Mythen und einige berechtigte Kontroversen, etwa Bedenken zum Datenschutz. In der Open Science Initiative am MPI-CBS und als Referentin für Open Science an der Universität Leipzig habe ich dazu viel praktisches Wissen gesammelt, das ich in meine Workshops einbringe.

KI und Integrität
Neue Technologien werfen Integritätsfragen schneller auf, als Leitlinien sie beantworten können, von Autorschaft und Offenlegung bis hin zu möglichen Verzerrungen und der Verlässlichkeit von Ergebnissen. Über wissenschaftliche Integrität lässt sich heute nicht mehr sprechen, ohne generative KI-Werkzeuge und ihre weite Verbreitung im Wissenschaftssystem mitzudenken. In meinen Workshops wenden wir allgemeine Integritätsprinzipien auf den Einsatz von KI an und suchen nach Strategien für verantwortungsvolles Arbeiten in konkreten Anwendungsfällen.

Wie ich arbeite
Meine Workshops zu wissenschaftlicher Integrität verfolgen einen systemischen Ansatz und weiten den Blick vom individuellen Verhalten auf die Strukturen darum herum. Das heißt auch, dass ich die Teilnehmenden ermutige, nicht nur Verantwortung für die gute wissenschaftliche Praxis in der eigenen Arbeit zu übernehmen, sondern auch für die Integrität in ihrem Fach und für die Beteiligung an Debatten über fachspezifische Standards. Wir arbeiten Dilemmata durch, diskutieren sie und führen abstrakte Regeln auf die Situationen zurück, in denen sie sich bewähren müssen.

Workshop-Beispiele zu Integrität

Gute wissenschaftliche Praxis ist das Fundament für vertrauenswürdige Forschung und wissenschaftlichen Fortschritt. In diesem Workshop schauen wir uns die zentralen Prinzipien sowohl aus systemischer als auch aus praktischer Perspektive an. Durch kurze Inputs, Reflexionsübungen und Fallbeispiele bekommst du die Möglichkeit, abstrakte Regeln mit deinem Forschungsalltag zu verknüpfen.

Ziel des Workshops ist es, dir zu helfen:

  • zentrale Begriffe wie gute wissenschaftliche Praxis, wissenschaftliches Fehlverhalten, fragwürdige Forschungspraktiken und verantwortungsvolle Forschung besser zu verstehen
  • Rollen und Verantwortlichkeiten rund um Forschungsethik und Integrität zu klären
  • dich mit relevanten Richtlinien und Verhaltenskodizes vertraut zu machen (z. B. DFG-Leitlinien, institutsinterne Regelungen)
  • zu reflektieren, wie wissenschaftliche Strukturen und Forschungskultur die Umsetzung guter Praxis erschweren können
  • reale Grauzonen und individuelle Dilemmata aus dem Forschungsalltag zu analysieren
  • zu überlegen, wie gute wissenschaftliche Praxis im Umgang mit generativer KI angewendet werden kann

Der Workshop kann in Umfang und Tiefe flexibel angepasst werden – von kurzen Einführungen bis hin zu ausführlicheren Formaten mit viel Praxisbezug.

Bewegungen wie Responsible Research und Open Science gewinnen im globalen Wissenschaftssystem immer mehr an Bedeutung. In diesem interaktiven Workshop bekommst du einen umfassenden Einblick in zentrale Konzepte und hast die Möglichkeit, darüber nachzudenken, wie diese Entwicklungen deine wissenschaftliche Praxis und deine Karriere beeinflussen.

Im Workshop wirst du:

  • die Konzepte verantwortungsbewusste Forschung, Open Science, gute wissenschaftliche Praxis und Forschungsbewertung kennenlernen
  • in Übungen und Diskussionen reflektieren, wie sich diese Ansätze konkret auf deine eigene Forschung (bzw. dein Fachgebiet) anwenden lassen
  • deine Rolle als Wissenschaftler:in im Verhältnis zu Arbeitgeber, Community und Gesellschaft reflektieren
  • erkunden, welche Faktoren verantwortungsvolle Forschung erleichtern oder erschweren
  • diskutieren, welche Auswirkungen verantwortungsvolle Forschung auf Karrierewege hat – und welche Strategien dir helfen können, dich gut darin zu positionieren

Der Workshop kann je nach Interesse angepasst werden – z. B. mit Fokus auf europäische Entwicklungen, deutsche Regelwerke oder konkrete Open-Science-Praktiken. Mögliche Formate reichen von kurzen Einführungs-Sessions bis hin zu ganztägigen Workshops.

Diesen 90-minütigen Workshop habe ich für eine Veranstaltung am Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) in Leipzig entwickelt.

Die Prinzipien guter und offener Wissenschaft stehen nicht immer im Einklang mit den Anreizstrukturen wissenschaftlicher Karrieren. Zwischen den Leitlinien wissenschaftlicher Integrität und den Praktiken, die im akademischen System belohnt werden, bestehen Spannungen. Dieses strukturelle Problem prägt die Forschungskultur maßgeblich. Zu Beginn des Workshops simulieren wir mithilfe eines interaktiven Brettspiels, wie individuelle Entscheidungen über wissenschaftliche Praktiken den Karriereerfolg beeinflussen können. Anschließend reflektieren wir strukturiert die Dilemmata, die während der Simulation entstehen, und setzen sie in Bezug zu den Herausforderungen im eigenen Forschungsalltag. Gemeinsam entwickeln wir Handlungsmöglichkeiten dafür, wie Early-Career-Forschende sich in einem kompetitiven Umfeld positionieren, Forschungskultur mitgestalten und gute wissenschaftliche Praxis auch als beruflichen Vorteil nutzen können. Am Ende des Workshops verfügen die Teilnehmenden über ein differenzierteres Verständnis zentraler Dilemmata in den Bereichen wissenschaftliche Integrität und Open Science sowie über praktische Strategien für den Umgang mit diesen Herausforderungen.

Das Brettspiel auf Deutsch und Englisch findet sich hier.

Meine Beiträge zum Thema

In den letzten Jahren habe ich mich außerdem in die breiteren Debatten um wissenschaftliche Integrität und Open Science eingebracht. Hier einige konkrete Aktivitäten und Ergebnisse:

Aktivitäten:

Publikationen und Konferenzbeiträge:

  • Lipp, I., Hundt, C. (2026). Career and Conscience Board Game (in German and English): an educational board game on Open Science practices and the conundrums of the academic career system. Zenodo. doi: 10.5281/zenodo.19386634
  • Lipp, I. (2026). Understanding reproducibility in the context of Open Science. SaxFDM Digital Kitchen. Zenodo. doi: 10.5281/zenodo.19352407
  • Auer, S., …, Lipp, I., … et al. (2026). Barcamp Open Science 2026: Navigating Challenging Times. ZBW MediaTalk.
  • Lipp, I., Van Scherpenberg, C. (2025). Opportunities and risks at the intersection of AI and Open Research Data. Open Science Conference, Hamburg.
  • Mayer, K., …, Lipp, I., … et al. (2025). Offenheit neu verhandeln: KI im öffentlichen Interesse gestalten (Weizenbaum Policy Paper, 15). Weizenbaum Institute, Berlin. doi: 10.34669/WI.PP/15
  • Mayer, K., …, Lipp, I., … et al. (2025). Yes, we are open?! Künstliche Intelligenz verantwortungsbewusst gestalten: Konferenzergebnisse im Spannungsfeld Open Science und KI (Weizenbaum Discussion Paper, 51). Weizenbaum Institute. doi: 10.34669/WI.DP/51
  • Auer, S., …, Lipp, I., … et al. (2025). Barcamp Open Science 2025: From Threats to Collective Resilience. ZBW Mediatalk.
  • Beyer, F., … , Lipp, I., … et al. (2021). A fMRI pre-registration template. PsychArchives. doi: 10.23668/psycharchives.5121
  • Bourget, M.-H., …, Lipp, I., … et al. (2022). Microscopy-BIDS: an extension to the Brain Imaging Data Structure for microscopy data. Frontiers in Neuroscience 16:871228. doi: 10.3389/fnins.2022.871228